Stadt Rheinstetten erweitert ihr barrierefreies Angebot
Seit kurzem steht in der Stadtbibliothek ein VisioBook, ein Bildschirmlesegerät, das Menschen mit eingeschränkter Sehkraft den Zugang zu verschiedensten Informationen gewährleistet. Gedruckte Texte jeglicher Art werden darunter stark vergrößert, zudem bietet der Bildschirm eine Full-HD-Auflösung und ermöglicht neben der Echtfarbdarstellung kontrastverstärkende Farbkombinationen, zum Beispiel Gelb auf Schwarz.
Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Buch aus dem Bestand der Bibliothek oder ein selbst mitgebrachtes Dokument, wie Medikamentenbeipackzettel, Kassenzettel oder die Lieblingszeitschrift zur Vergrößerung unter die Kamera des Gerätes platziert werden. Auch ein USB-Anschluss ist vorhanden.
Zu verdanken hat die Stadt die Neuheit der Initiative von Andreas Held, einem der Sprecher des Beirates für Menschen mit Behinderung. Held selbst ist stark sehbehindert und nutzt privat bereits ein vergleichbares Gerät. Damit nun alle Bürgerinnen und Bürger davon profitieren können, setzte er sich für die Anschaffung bei der Stadt ein. Doch das VisioBook helfe nicht nur sehbehinderten Menschen: „Viele, insbesondere ältere Menschen können die Beipackzettel von Medikamenten schon gar nicht mehr lesen“, so Andreas Held. Die Möglichkeit zur Vergrößerung darf und soll also von jedem verwendet werden, der sich daraus einen Vorteil verspricht.
Die Bedienung erfolgt rein optisch. Eine Vorlesefunktion gibt es nicht. Darauf wurde mit Blick auf die räumliche Situation der Bibliothek als Ruheraum bewusst verzichtet. Aus hygienischen Gründen auch auf Kopfhörer.
Die Ausgestaltung des Angebots erfolgte ebenfalls in enger Abstimmung mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung.
Erste Interessenten haben das Gerät bereits getestet. So kam beispielsweise eine Tochter mit ihrem Vater vorbei, um eine solche Vorrichtung für den Privatgebrauch zu erproben. Beide waren sofort begeistert. „Er sitzt schon ganz anders vor diesem Bildschirm“, so die Tochter.
Wie stark das Angebot künftig genutzt werden wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Fest steht aber, dass die Stadt Rheinstetten mit dem neuen Bildschirmlesegerät erstmalig eine Möglichkeit schafft, möglichst vielen Menschen Literatur zugänglich zu machen.
Eine Anmeldung oder Reservierung ist nicht erforderlich. Auch eine zeitliche Begrenzung gibt es momentan nicht. Es gilt allerdings zu beachten, dass es je nach Besucherandrang zu Wartezeiten kommen kann.
Nach Angaben des Beirates für Menschen mit Behinderung ist die Kommune mit diesem Angebot derzeit die einzige im Landkreis, die eine solche Möglichkeit bereithält.
Bei Fragen zur Bedienung stehen die Mitarbeiterinnen vor Ort gerne zur Verfügung.

