Wiesenpflege ist mehr als eine Terminfrage

| Aus dem Gemeinderat


Stadt Rheinstetten lässt Grünland von einem Langensteinbacher Betrieb mähen und mulchen

Wiese im Feld in Rheinstetten
Keine leichte Wiesenpflege: Die Streuobststreifen, wie hier in Rheinstetten, müssen mit viel Aufwand gepflegt werden. Zum Mähen kann man nicht einfach über das Grünland fahren.

Aufträge für Wiesenpflege werden in Sitzungen von Gemeinderäten meist „durchgewunken“. So jüngst in Rheinstetten, als die Gemeinderäte den Auftrag für Mäh- und Mulcharbeiten auf Wiesen und sonstigen unbebauten Grundstücken zum Angebotspreis von knapp 16.400 Euro an eine Firma aus Karlsbad-Langensteinbach vergaben. Und gleichzeitig noch für Mulcharbeiten des gleichen Betriebs auf Wiesen und sonstigen unbebauten Grundstücken in der Stadt für knapp 22.600 Euro freigaben. Beim ersten Auftrag handelt es sich um eine klassische Heumahd mit Abfuhr des Schnittgutes.

Bei der zweiten Vergabe ging es um das Mulchen, einem zerkleinerndem Schnitt mit Verbleib des Mähgutes auf der Fläche. Die Leistungen waren für den Zeitraum 2021 bis 2023 ausgeschrieben, die Preise sind jeweils Jahresbeträge. Der Vertrag wird zunächst für ein Jahr geschlossen und verlängert sich ohne Preisanpassung, so die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage, jeweils um ein weiteres Jahr, wenn er nicht zum Jahresende vom Auftraggeber gekündigt wird. Ansonsten verlängert er sich automatisch bis zur Gesamtlaufzeit von drei Jahren.

Martin Reuter, Umweltbeauftragter der Stadt Rheinstetten und für Wiesenflächen im Bauamt der Stadt Rheinstetten verantwortlich, weiß, worauf es bei der Wiesenpflege ankommt. Unter den Auftrag für die Firma fallen mit über 140 Einzelflächen etwa 50 Hektar der fast 100 Hektar Wiesenfläche in städtischem Eigentum. Ein Teil der Wiesen, dazu gehört nicht der Auftragsteil, würden schon seit den 1980er-Jahren von einheimischen Landwirten gepflegt.

Damals begann Rheinstetten unter Regie von Peter Zortea mithilfe von Extensivierungsverträgen, Ackerland in Grünland umzuwandeln, um die Biotop-Vernetzung auf der städtischen Gemarkung auch für die Wiederansiedlung des Weißstorches voranzutreiben. Seit dieser Zeit haben die Praktiker vor Ort, so Reuter, hinsichtlich der Wiesenpflege so manches hinzugelernt.

Seinerzeit gab es die Leitlinie, den ersten Mähschnitt möglichst spät vorzunehmen, oft wurde dafür der 15. Juni als frühester Termin angesehen. Heute weiß man, dass eine solch starre Herangehensweise nicht optimal für Entwicklung und Erhalt einer vielfältigen Pflanzenwelt ist. Vielmehr ist es wichtig, die Standorteigenschaften der einzelnen Flächen und die Vegetationsentwicklung im jeweiligen Jahr zu betrachten Auch kann ein Vorkommen schützenswerter Pflanzen- oder Tierarten einerseits bzw. problematischer Pflanzenarten andererseits eine besondere Vorgehensweise erfordern. Häufig gibt es keinen „optimalen“ Pflegetermin sondern je nach Zielsetzung müssen Kompromisse gefunden werden.

Ein Vorkommen sogenannter invasiver Arten wie der Kanadischen Goldrute kann einen frühen Mähtermin erfordern, um eine Verdrängung anderer Pflanzen durch diese extrem wuchskräftige Art zu vermeiden. Die schützenswerten Pflanzen werden aber teilweise durch den frühen Schnitt ebenfalls geschädigt.

„Um das Mähen und Mulchen im Interesse der Pflanzenvielfalt möglichst zielgenau durchzuziehen, bedarf es deshalb an manchen Stellen eines hohen Steuerungs- und Überwachungsaufwands“, erläutert Martin Reuter.

Bei der Frage, ob Mähen oder Mulchen, spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle, das Mulchen ist deutlich günstiger. Auch wenn das Mulchen zum Teil kritisch gesehen wird, mit dieser Pflegeart sofern sie zum richtigen Zeitpunkt auf geeigneten Flächen erfolgt, habe man durchaus gute Erfahrungen gemacht. Letztlich, so Reuter, komme es bei allen anstehenden Pflegearbeiten immer auf den „Mix“ an. Der Faktor Zeit (sprich: richtiger Termin), aber auch das Wetter spielten bei den jeweiligen Überlegungen stets eine wichtige Rolle.

Und wenn man ewig lang mit dem Mähen und Mulchen warte, gehe dies auch zulasten der Vogelwelt. Wenn nämlich die Pflanzen auf den Wiesen 150 Zentimeter hoch stünden, sei dort selten ein Storch zu finden und auch der Steinkauz könne dort keine Beute machen.

„Die Störche stehen dann auf noch vergleichsweise niedrig stehenden Maisfeldern oder auf Sportplätzen“, meint Reuter. Ziel des Mähkonzeptes sind deshalb vielfältige Pflegetermine, sodass für die Tierwelt stets verschiedene Entwicklungsstadien von Wiesen zur Verfügung stehen.(m.f.G.d.BNN)


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