Stadtwald und Gabholz im Gemeinderat

| Aus dem Gemeinderat


Gemeinderat stimmt mit großer Mehrheit den Plänen für die Bewirtschaftung des Stadtwalds zu

Mörscher Wald
Der Mörscher Wald im Naturschutzgebiet an der Landesstraße 566 ist geprägt von vielen alten Eichen, die geschützt werden. Foto: krk

Der Forsteinrichtungserneuerung 2018 bis 2027 hat der Verwaltungs- und Finanzausschuss Rheinstetten bei Gegenstimmen von Babette Schulz (Grüne) und Otto Deck (BfR) zugestimmt. Die Organisation des Forstbetriebes muss, so Forstbezirksleiter Thomas Rupp, wegen des neuen Forstreformgesetzes neu aufgestellt werden.

Dabei geht es unter anderem um Eigentümerziele (hinsichtlich des Stadtwaldes), Waldnatur- und Artenschutzkonzept, Waldrefugien und anderes. In den Vorberatungen hat der Gemeinderat vor allem eine naturnahe Waldbewirtschaftung auch im Blick auf die Erholungsfunktion, aber auch eine Wirtschaftlichkeit gefordert. Aufgrund der Nachwirkungen der Stürme Wiebke und Lothar sei ein positives Ergebnis kaum möglich, dennoch seien Investitionen in Verjüngung und Waldpflege erforderlich.

Der Stadtwald Rheinstetten umfasst 986 Hektar Fläche, davon sind 80 Prozent Buchenmischwälder, Kiefernwälder und Buntlaubbestände. Eine wesentliche Rolle in der umfassenden Diskussion spielten geplante Waldrefugien, das sind für zehn Jahre nicht wirtschaftlich genutzte Waldflächen, in einer Größenordnung von 25,6 Hektar. Diese Refugien sind, so Rupp, ökopunktefähig. Vorgeschlagen wurde vom Forstmann, was zunächst kritisch hinterfragt wurde, auf die Eigenanpflanzung von Eichen aus Kostengründen zu verzichten.

Die Eiche ist zwar wie die Buche ein besonders wünschenswerter Baum im Rheinstettener Wald, aber Rupp strebt nach Absprache mit Umweltbeauftragtem Martin Reuter eine „Fremdfinanzierung“ der Eichenanpflanzung an. Dies wird dann möglich, wenn durch Planungsvorhaben – „davon haben wir mehr als genug“, so Reuter – Ausgleichsmaßnahmen erforderlich werden. Diese können durch Eichenanpflanzungen erfolgen und bringen zudem die begehrten Ökopunkte – sie können beispielsweise bei anderen Projekten Ausgleichsflächen ersetzen und sparen Planungszeit.

„Die Eiche gehört zum Rheinstettener Wald und sie ist klimatauglich, wir wollen aber die günstige Gelegenheit nutzen, kostengünstig Eichenpflanzungen zu bekommen“, so Reuter. Ökopunkte sollen auch rund 100 Hektar Flächen für Habitat-Baumgruppen, das sind Tot- und Altholzflächen, bringen. Diese soll Revierförster Alex Stolz in den kommenden fünf Jahren ausweisen. Eine Reduzierung des Einschlags aus Kostengründen – der Aufwand ist höher als der Ertrag – sei möglich, aber nicht verzichtet werden könne auf eine Durchforstung zur Förderung der Baumartenvielfalt und eine Jungbestandspflege. Zudem müsse, so Rupp, der Verkehrssicherungspflicht genügt werden.

Der Rheinstettener Wald weist 37 Waldbiotope mit 105 Hektar Fläche auf. Dazu gehört der Mörscher Wald südlich der L566, wo gerade das neue Wasserwerk entsteht. Dort gibt es im Naturschutzgebiet „besonders wertvolle alte Eichen, die geschützt werden“, so Rupp. Aus Kostengründen schlägt die Forstverwaltung vor, ab 2019 in der Pflanzschule der Stadt keine Jungpflanzen mehr auszubringen. Dadurch würden 1 000 Euro Sachkosten und 200 Waldarbeiterstunden eingespart.

Dem aber steht gegenüber, was insbesondere Babette Schulz (Grüne) und Elisabeth Ganßmann (ULR) vorbrachten und zu Gegenstimmen führte, dass von den selbst gezüchteten Baumpflanzen 90 Prozent anwachsen, von fremd gekauften nur 40 Prozent.

Bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen stimmte der Ausschuss mit großer Mehrheit der Abschaffung zu. Wenn die derzeit wachsenden Bäume spätestens 2022 ausgepflanzt sind, kann über die Verwendung der Fläche – eventuell Produktion großer Weihnachtsbäume – beraten werden.

 

Gabholz wird teurer

33 Hektar Jungbestandspflege

Für das Forstjahr 2019 hat die Forstverwaltung durch Forstbezirksleiter Thomas Rupp einen Einschlag von 2 200 Festmetern in Durchforstungsbeständen und Altholzbereichen vorgeschlagen. Dazu sollen zunächst die Verkehrssicherungs- und Dürrholzhiebe erfolgen, dann die Pflegemaßnahmen in jüngeren Beständen. Auf Verjüngungshiebe aber soll verzichtet werden. Durch die Durchforstung werde auch das Gabholz für Bürger Rheinstettens sicher. Hier schlägt Rupp eine Anhebung des Bürgergabholzpreises von 45 auf 50 Euro je Ster vor, für das Brennschichtholz von 80 auf 85 Euro je Ster. Konkurrenzflora muss im Zuge der Kulturpflege auf rund 12,5 Hektar beseitigt werden, die Jungbestandspflege umfasst 33 Hektar. Den geplanten Einnahmen aus dem Forstbetrieb von 121 000 Euro stehen Ausgaben von 320 000 Euro gegenüber, so dass im Stadtwald Rheinstetten ein Defizit von 199 000 Euro entstehen wird. Insgesamt 45 000 junge Bäume sollen als Nachbesserungen gepflanzt werden. Edeka hat sich bereit erklärt, am Pirschweg im Stadtwald einen kleinen Eichenmischwald zu begründen, „die Buchen kommen von Natur aus“, so Rupp. (m.f.G.d.BNN)


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