Sonderausstellung „800 Jahre Neuburgweier – ein Gang durch die Geschichte“

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Die Sonderausstellung „800 Jahre Neuburgweier – ein Gang durch die Geschichte“ ist noch bis einschließlich 23. Juni im Paminamuseum in Neuburgweier zu sehen. „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“ verkündete OB Sebastian Schrempp in der St. Ursula-Kapelle bei der Eröffnungsveranstaltung. Sie erfreute sich regen Zuspruchs. Die Kirchenbänke waren fast alle besetzt.

Er dankte Annelie Lauber und Sabine Seeger vom Stadtarchiv, die die Eckdaten zur Geschichte und den Lebensverhältnissen in Neuburgweier zusammengetragen und für die museale Präsentation aufbereitet haben. Archivarin Lauber führte die Zuhörer in ihrem Vortrag zurück ins Jahr 1219, als Neuburgweier erstmals urkundlich in einem Teilungsvertrag der Brüder Otto und Eberhard von Eberstein erwähnt wurde. Ursprünglich war Neuburgweier nur ein Weiler von Neuburg, wie die Namen „Nuenburc et Wilre“ nahelegen, beide waren damals aber bereits ausgebaute Ortschaften mit allen Rechten. Erst der natürliche Rheindurchbruch ab 1590 zwischen den beiden Orten versetzte Neuburg auf die linke Rheinseite, was jedoch nichts an ihrer politischen Verbindung änderte.

Über die Jahrhunderte wechselten die Orte mehrmals die Besitzer, zwischendurch noch zu Frankreich gehörend, gelangte Neuburgweier 1707 an die Markgrafschaft Baden-Baden und vollzog so die politische Trennung von Neuburg.

Die Rheinauenlandschaft versprach neben der Fischerei als Erwerb einerseits fruchtbaren Boden für die Landwirtschaft, aber andererseits drohten Überschwemmungen durch Hochwasser. Erst der 1934 errichtete Damm sorgte dauerhaft für Sicherheit. Viele Einwohner arbeiteten in Fabriken in Karlsruhe und so wurde der Wechsel vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde vollzogen.

Die Fähre existierte seit dem 13. Jahrhundert als letzter Rheinübergang vor Frankreich, verlor aber mit dem Bau der Rheinbrücke zusehends ihre Bedeutung. Neuerdings wüsste man die Autofähre allerdings wieder zu schätzen, wie Lauber schmunzelnd anmerkte. In der Zeit des Nationalsozialismus wählten zu Beginn nur wenige die NSDAP – 27 Prozent im Vergleich zu 45 Prozent in Baden. Mindestens fünf Fälle von Zwangssterilisierung als Folge der verbrecherischen Rassengesetz und „Rassenhygiene“ sind bekannt. Nach dem Krieg wurden 250 Heimatvertriebene aufgenommen, was einen Bevölkerungszuwachs von 25 Prozent bedeutete. 1975 erfolgte der Zusammenschluss mit Mörsch und Forchheim zu Rheinstetten. 2018 wurden 2 466 Einwohner gezählt.

Abschließend lud Archivarin Lauber die Besucher ein, „den Gang durch die Geschichte“ buchstäblich im Museum nachzuvollziehen, wo übersichtlich gestaltete Tafeln mit Dokumenten und Exponaten wie einer historischen Glocke von 1805 diese Geschichte lebendig werden lassen. (m.f.G.d.BNN, J. Hotz)


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