Raritäten auch aus privaten Nachlässen - Stadtarchiv Rheinstetten öffnet zum „Tag der Archive“

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Besucher am Tag der Archive 2020

Briefe, Ansichtskarten, Plakate und Flugblätter – das Stadtarchiv Rheinstetten hat am Sonntag anlässlich des „Tags der Archive“ unter dem Motto „Kommunikation. Von der Depesche bis zum Tweet“ eine spannende Auswahl aus seiner umfangreichen Sammlung präsentiert. Zum siebten Mal beteiligt sich die Stadt an der bundesweiten Aktion, und Stadtarchivarin Annelie Lauber empfindet das als „hervorragende Gelegenheit, ganz niederschwellig der Bevölkerung das Archiv zu öffnen und vorzustellen“.

 

Das Archivgut aus der Verwaltung wurde für diesen besonderen Tag außenvorgelassen. Stattdessen bekamen die Besucher – die schon am frühen Nachmittag zahlreich die Gelegenheit für eine Stippvisite nutzten – mitunter sehr persönliche Schriftstücke zu Gesicht. Einen Brief aus dem Jahr 1945 etwa, in dem die Verfasserin detailliert die Nachkriegszeit in Forchheim beschreibt. „Am 4. April nachmittags ungefähr um halb drei Uhr sind die feindlichen Panzer in Forchh. eingedrungen, die Leute sind ihnen mit weißen Tüchern entgegen das war ein Moment, den ich nie vergessen werde, alle standen schon auf der Straße“, heißt es da. „Sehr besonders“ seien solche Aufzeichnungen, sagt Lauber. „Solche Stücke bekommt man als Archiv natürlich nur über Privatleute. Beispielsweise aus Nachlässen.“ Auch die Einladung zur Wahl der Abgeordneten zum Deutschen Reichstag aus dem Jahr 1930, ein Plakat anlässlich des Festumzugs „1.000 Jahre Mörsch“ aus dem Jahr 1950 oder die Einladung zur Schulhauseinweihung in Mörsch aus dem Jahr 1902 hat das Stadtarchiv aus seinen Magazinen geholt, oder die Bekanntmachung zu den Amerikanischen Besatzungskosten. Dazu historische Postkarten aus Rheinstetten. „Solche Postkarten müssen wir als Archiv, sofern wir sie nicht über private Quellen erhalten, aktiv sammeln und erwerben. Wir haben nahezu alle Rheinstettener Postkarten. Rund 250 Stück.“ Die älteste sei wahrscheinlich aus dem Jahr 1898, so Lauber.

 

Abgesehen vom „Tag der Archive“ zeigt das Stadtarchiv dieser Tage auch noch eine kleine Ausstellung anlässlich seines 25-jährigen Bestehens. Projekte der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte werden dabei nochmals in Erinnerung gerufen – etwa die Ausstellung anlässlich des 150. Jahrestags der Badischen Revolution, das Schulprojekt zu NS-Euthanasieverbrechen oder der Vortrag über Tulla. Auch Grundlegendes zur Arbeit des Archivs mit seinen acht Abteilungen wird erklärt.

 

Erinnerungen wurden wach bei den zahlreichen Besuchern, als sie an den Stellwänden alte Zeitungsartikel studierten oder Fotos von den zahlreichen vergangenen Veranstaltungen betrachteten. Und manch einer entdeckte sich sogar selbst auf einem der Bilder der Ausstellung im Obergeschoss. Sie wird noch einige Zeit für Besucher zu sehen sein, während die Briefe, Postkarten und Plakate wieder zurück in die Magazine wandern. (m.f.G.d.BNN)


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