Potential von Arbeitskräften nutzen


Unternehmerforum zeigt den Weg zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung auf

Blick auf OB Schrempp und Leinwand mit Publikum von hinten

Die Zusammenarbeit und der Dialog von Unternehmen und Kommune sind Grundlage für die erfolgreiche Weiterentwicklung unseres Wirtschaftsstandortes. Eine Plattform der Kommunikation und des Erfahrungsaustausches bot am 09. November das Rheinstettener Unternehmerforum.

Rund 35 Unternehmerinnen und Unternehmer folgten der Einladung und nutzten das Angebot, sich zum diesjährigen Thema „Neue Wege in der Personalfindung“ zu informieren. Oft hört Oberbürgermeister Sebastian Schrempp bei seinen Gesprächen mit Gastronomen, Handwerkern und Unternehmern die gleiche Klage: Mitarbeiter sind schwer zu finden, gute Auszubildende suche man. Da kam ihm die Idee für das nächste Unternehmerforum: Arbeitgeber zu sensibilisieren, auch Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung als potentielle Arbeitskräfte zu sehen. Hier lebende Zugewanderte und Menschen mit Behinderung stellen für die Arbeitswelt ein noch ungenutztes Potential dar. In mehreren Vorträgen stellten Experten die Ansprechpartner und Unterstützungsangebote für die Rheinstettener Unternehmer vor. Ziel war es, Hemmschwellen abzubauen und zum Nachdenken anzuregen: Könnte das etwa auch bei uns im Betrieb funktionieren?

So startete Frau Lichter, die im Landratsamt Karlsruhe in der Kreisintegrationsstelle arbeitet. Sie und ihre Kolleginnen sind Ansprechpartnerinnen für alle Belange, die mit Arbeit und Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund zu tun haben. Ihr Vortrag zeigte deutlich: Unternehmer, Arbeitssuchende und Azubis sind nicht alleine! Sie bekommen schon im Bewerbungsverfahren und in der Ansprache der Zielgruppe Unterstützung. Individuelle Beratungen, Vortragsreihen und Konferenzen bietet das Landratsamt sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch den potentiellen Arbeitgebern an.

So findet am 07.12. eine Veranstaltung zum Thema „Aufnahme und Einbindung von zugewanderten Auszubildenden im Unternehmen“ und am 12.05. eine Fachkonferenz zum Thema Integration statt.

Viele Informationen und Kontaktstellen zeigte Frau Lichter in ihrem Vortrag – wie da den Überblick behalten? Malermeister Peter Schwarz erklärte es dann ganz einfach: „Schwierig war an dem Prozess eigentlich gar nichts. Ich habe einen Azubi gesucht und dann einfach beim Landratsamt angerufen. Dort habe ich Unterstützung bekommen. Ich kann den Schritt nur empfehlen, denn die Arbeit mit Leuten verschiedener Herkunftsländer bereichert uns und erweitert den Horizont. Als mein Mitarbeiter mir sagte, wir seien seine neue Familie, das war schon toll“, berichtet Schwarz von seinen Erfahrungen und bekommt dafür viel Applaus.

Motiviert, zuverlässig und leistungsfähig - diese Eigenschaften werden noch zu selten in Verbindung mit Menschen mit kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen oder psychischen Erkrankungen gebracht. Dabei zeigen die Erfahrungen in klein- und mittelständischen Betrieben wie in Großunternehmen, dass Menschen mit Behinderung durchaus über diese, von Arbeitgebern geforderten Arbeitstugenden verfügen. Und auch von positiven Veränderungen des Betriebsklimas gerade durch ihre Mitarbeiter mit Behinderung berichten Arbeitgeber immer wieder. Michael Auen, Vorsitzender der Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen und Umgebung sowie Hauptgeschäftsführer der HWK, sprach zunächst über den Einsatz von Menschen mit Behinderung in den Hagsfelder Werkstätten. Vor drei Jahren wurde die Werkstatt in Rheinstetten eröffnet. Seitdem finden Menschen mit psychischer Erkrankung, Hirnschädigungen oder Mehrfachbehinderungen direkt hier im Ort Förderung, Arbeit und eine geregelte Tagesstruktur. Auen lud die Anwesenden dazu ein, die Werkstatt zu besuchen, denn hier arbeiten Menschen, die auch für die Rheinstettener Betriebe Zulieferer und Zuarbeiter sein könnten. „Ich war bei meinem Besuch wirklich erstaunt, welch hochkomplexen Aufgaben hier gemeistert werden“, warf Oberbürgermeister Schrempp ein.

Ziel der Gesellschaft muss jedoch sein, dass Menschen mit Behinderung am normalen Arbeitsleben teilnehmen können. Die Lebenshilfe und die Hagsfelder Werkstätten bereiten Menschen mit Behinderung daher auf die Aufgaben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vor. Für diese Inklusion sei es wichtig, dass Arbeitgeber offen sind. Er warb dafür, darüber nachzudenken, Menschen mit Behinderung einzustellen – und sie dann einfach Kennenzulernen. Ein Umdenken müsse stattfinden: Nicht nur die Probleme, wie vielleicht das Einrichten eines barrierefreien Arbeitsplatzes, sondern auch die Potentiale und Chancen sollten sich Arbeitgeber vor Augen führen. Die Tür der Rheinstettener Werkstatt – und aller weiterer Beratungsstellen – steht jedenfalls offen.

Ansprechpartner für Arbeitgeber bei der Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund:

  • Stadt Rheinstetten: Julian Schwaninger, Tel. 07242/9514334, E-Mail
  • Rheinstettener Job Coaches: 015206566189 oder 016097707322, E-Mail
  • Landratsamt Karlsruhe: Amt für Integration, Abteilung 3 - Beratung und Integration, Tel. 0721/93677850, E-Mail

Ansprechpartner für Arbeitgeber bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung:

  • Integrationsfachdienst Karlsruhe: Bruno Braun, Tel. 0711/250832110, E-Mail
  • HWK gGmbH: Artur Budnik, Tel. 0721/50965562, E-Mail
  • Stadt Rheinstetten: Julian Schwaninger, Tel. 07242/9514334, E-Mail
  • Landratsamt Karlsruhe: Christine Küfner, Tel. 0721/93671530, E-Mail

Das Unternehmerforum bietet den Besuchern und Besucherinnen aber nicht nur Vorträge zu einem bestimmten Thema, sondern dient natürlich auch dem Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Unternehmern, weshalb im Anschluss noch Zeit für den geselligen Austausch untereinander blieb.

Der Dialog geht weiter: Das nächste Rheinstettener Unternehmerforum ist für den Herbst 2023 geplant. Anregungen und Themenwünsche können per E-Mail abgegeben werden.


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