| Aus dem Gemeinderat
Die mechanisch-biologische Kläranlage der Stadt Rheinstetten reinigt das Abwasser der Stadtteile Mörsch und Neuburgweier seit 1989. Für die kommenden zwei Jahre sind verschiedene Maßnahmen geplant, um die Betriebsstabilität der Anlage sicher zu stellen und die absehbar strengeren Ablaufgrenzwerte – insbesondere für Phosphor – auch zukünftig einhalten zu können.
Dem Bau der 4. Reinigungsstufe im Klärwerk hatte der Gemeinderat bereits am 25.01.2022 zugestimmt. In der Sitzung am 15.10.2024 beschloss er nun einstimmig die Erneuerung des Belüftungssystems sowie der Trafoanlage. Alle drei Maßnahmen stehen in einem engen baulichen wie planerischen Zusammenhang, weshalb sie im Planungsprozess gebündelt wurden.
6,55 Mio. € brutto kostet die Investition für alle drei geplanten Neuerungen, die gem. der Förderrichtlinien Wasserwirtschaft (FrWw) des Landes Baden-Württemberg mit rund 875.000 € gefördert werden. „Wir sind hier an Termine gebunden“, erläuterte Markus Reichert, Leiter des Fachbereichs Abwasser. Die Fördergelder gebe es nur, solange die 4. Reinigungsstufe nicht verpflichtend sei. Durch die immer strenger werdenden Ablaufwerte werde das über kurz oder lang aber auf alle Klärwerke zukommen.
Begonnen wird mit der Ausschreibung der Belüftung im Frühjahr 2025. Das Belüftungssystem der Kläranlage ist überaltert und bietet keine Reserven, um den Ausfall einzelner Anlagenteile zu kompensieren. Außerdem zeigt der jetzige Betrieb, dass im Fall von Lastspitzen – insbesondere an Wochenenden – keine ausreichende Sauerstoffversorgung des biologischen Reinigungsprozesses mit der jetzigen Gebläseleistung erreicht wird. Daher wird das Belüftungssystem vollständig erneuert und in seiner Kapazität erweitert. Dies umfasst die Installation neuer Belüfterelemente und Rührwerke in den Belebungsbecken, neuer Gebläse sowie neuer Luftleitungen. Die Umstellung auf die neue Belüftung wird im Sommer 2025 erfolgen, da beim Tausch warme Umgebungs- bzw. Abwassertemperaturen erforderlich sind.
Für die neue Trafostation ist eine Baugröße von 400 kVA (Kilovoltampere) vorgesehen. Der neue Trafo ist damit ausreichend groß bemessen, um die zukünftige Energieversorgung der Kläranlage wie auch des Wertstoffhofes sicher zu stellen. Zudem sind noch Reserven vorhanden für eine eventuelle Erweiterung der Kläranlage bzw. Umstellung auf eine anaerobe Schlammstabilisierung sowie für die Erweiterung des Wertstoffhofes um ein neues Sanitärgebäude.
Der Tausch des Trafos erfolgt Ende 2025, wobei eine Vergabe der Leistung bereits für Ende 2024 geplant ist. Grund hierfür ist die sehr lange Lieferzeit für das benötigte, typgeprüfte Betonfertigteilgebäude für die Trafostation. Bei einer Größe von 11 m x 3 m bietet es genügend Platz für alle benötigten Schaltanlagen. So können auch gesonderte Anforderungen berücksichtigt werden, wie etwa die zentrale Anschlussmöglichkeit eines Notstromaggregates zur Energieversorgung der gesamten Kläranlage und die Einspeisemöglichkeit für Eigenenergieerzeugung auf der Kläranlage mittels PV-Anlage oder Blockheizkraftwerk (BHKW).
Mit der 4. Reinigungsstufe sollen Spurenstoffe, z.B. Phosphor oder Arzneimittelrückstände, beseitigt (eliminiert) werden. Die in einem Strukturgutachten von 2022 ermittelte Vorzugsvariante soll dabei im Wesentlichen umgesetzt werden. Sie umfasst den Neubau eines Silos zur Lagerung und Dosierung der benötigten Pulveraktivkohle, einer Lagereinrichtung für Fällmittel zur Phosphorelimination, den Bau eines neuen Filterbeckens und eines neuen Zwischenpumpwerkes sowie den Neubau zweier Betriebsgebäude. Hier werden periphere Anlagenteile wie Fällmitteldosierpumpen oder benötigte Schaltanlagen untergebracht. Beide Betriebsgebäude erhalten eine extensive Dachbegrünung. Die neuen Bauwerke werden um die vorhandene Schlammlagerhalle platziert. Hierfür wird ein kleiner Teil des benachbarten Wertstoffhofgeländes für das Kläranlagengelände freigegeben.
Die Vergabe der Leistung zur Integration der 4. Reinigungsstufe erfolgt in der zweiten Jahreshälfte 2025, wobei erst nach technischer Klärung mit einem tatsächlichen Baubeginn für Anfang 2026 gerechnet wird. Die Inbetriebnahme der neuen Reinigungsstufe ist dann für Anfang 2027 vorgesehen.