Interesse an historischen Tabakschuppen


Tabakschuppen in Rheinstetten-Forchheim

Im Jahr 1938 erbaute die Reichsanstalt für Tabakschuppen die beiden eindrucksvollen Schuppen in der Rosenstraße, die bis 1961 für die Trocknung von Zigarettentabak genutzt wurden. Heute dienen die beiden Gebäude, die sich im Besitz der Stadt befinden, nur noch als Lager – das hintere für den benachbarten Stadtbetrieb und das vordere für das DRK. Eine darüber hinausgehende Nutzung ist aufgrund der hohen Auflagen im Denkmalschutz und den erforderlichen Sanierungskosten von der Stadt nicht mehr vorgesehen. Doch das soll sich ändern, wenn es nach Georg Seemann und Sohn Marius geht.

Marius, heute Architekt, hatte sich in einer Studienarbeit der beiden Gebäude angenommen und die Planung war so gut, dass Vater und Sohn im Dezember 2015 spontan gesagt haben: „Das muss man machen.“ Gedacht ist daran, in einem der beiden Gebäude Wohnraum zu schaffen, im anderen ein Café (Frühstück, Brunch) mit Weinstube (nur Häppchen, kein Speiselokal), wobei dem Denkmalschutz – es waren viele Diskussionen mit dem Amt und der Stadt vorausgegangen – Rechnung getragen werden soll. Eine kleine Reminiszenz an die frühere Nutzung sollen im Sommer im Hof Zigarrenverkostungen sein. Und auch die frühere Funktion des zweiten Schuppens soll dank eines Glasbodens und der offenen Bauweise auch nach der Sanierung dauerhaft sichtbar bleiben. Auf diesen Kompromiss haben sich die künftigen Bauherren mit dem Denkmalamt verständigt, so Seemann. Dazu gehört auch, dass die Frontansicht der historischen Gebäude aus gelben Vollziegelsteinen unverändert bleibt. „Es sind einmalige Bauten“ betont Seemann. Ganz detailliert haben Vater und Sohn Seemann schon Pläne für die künftige Gestaltung der beiden „Schuppen“ inklusive einer Gartenanlage mit Sicht- und Lärmschutz gemacht. Wie es nach einem kürzlichen Treffen aussehe, wurde auch mit den „verständlicherweise zunächst kritischen Nachbarn hinsichtlich Lärm und Parksituation eine tragfähige Lösung gefunden“, sagt Seemann.

Aber noch sind Hürden zu überwinden. Der Verkauf der beiden Schuppen an die Familie Seemann wurde zwar vom Gemeinderat am 29. Januar in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen. Die geplante Nutzung macht allerdings eine Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Oberbürgermeister Sebastian Schrempp geht davon aus, dass das noch im ersten Quartal 2019 erfolgen kann. Dann ist Offenlage, erst danach kann der Bauantrag gestellt werden.

Und letztlich müssen die beiden Schuppen noch leer geräumt werden. Für den städtischen Bauhof jedenfalls ist der jetzige Standort, so Schrempp, in jeder Hinsicht für die Nutzung auf Dauer genauso ungeeignet, wie der in der Rheinaustraße in Mörsch. Das habe eine Studie ergeben. Die Stadt plane daher schon seit geraumer Zeit eine Zusammenlegung. Vorgesehen ist ein dafür im Flächennutzungsplan schon ausgewiesenes Gelände in Mörsch an der L566 bei der Einmündung Rheinaustraße (hinter Penny-Markt), wo laut Studie alle Anforderungen an Barrierefreiheit, Fuhrpark, Lagerhaltung, Brandschutz, Baubetrieb und Personalräume erfüllt werden könnten. Bereits am 15. Januar hatte der AUT dem Gemeinderat empfohlen, die Planung auf Grundlage der Studie weiter zu verfolgen und einen Terminplan für einen Neubau bis 2020/21 aufzustellen. „Wenn das alles klappt, werden die Tabakschuppen, für die wir keinen Bedarf haben, einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Alle Beteiligten sind bemüht, dass hier im Einvernehmen mit den Anwohnern etwas Nachhaltiges, mit Mehrwert für unsere Stadtgemeinschaft, entsteht“, so Schrempp. (t.m.f.G.d.BNN)

 


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