9. Erklärung des Oberbürgermeisters Sebastian Schrempp zur aktuellen Lage

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Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kindergarten- und Schulgemeinschaft,

Passbild Oberbürgermeister Sebastian Schrempp

die im März über uns hereingebrochene lange Zeit der Schließung von Einrichtungen der Kinderbetreuung und der Schulen hat unsere Familien in den letzten Monaten stark gefordert und in Teilen auch an die Grenzen des Leistbaren gebracht. Beruf und Familie ohne die bisherigen Betreuungsangebote unter einen Hut zu bringen, das erfordert einen enormen Kraftakt. Dieser ist auf Dauer für viele nicht leistbar. Hinzu kommt die emotionale Belastungen unserer Kinder durch die starke Reduktion der vertrauten sozialen Kontakte, das zeitweise Betretungsverbot von Spiel- und Sportplätzen sowie die strikten Kontaktbeschränkungen im Freundes- und Familienkreis.

Auf ein solch einmaliges Ereignis ist kein System in einem Land anhand eines Patentrezeptes vorbereitet – und so waren es auch nicht unsere Kindergärten und unsere Schulen. Aber auch nicht die Familien, die Behörden oder Unternehmen. Alle mussten sich von einem auf den anderen Tag auf eine neue und nie zuvor erprobte Betriebsform einlassen. Fast täglich galt es, zum Teil auch nicht nachvollziehbare Verordnungen umzusetzen oder Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Das hat uns alle - die Eltern, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Schulen, Kindergärten und im öffentlichen Dienst, im Einzelhandel und im Gesundheitsweisen - oft an die Grenzen gebracht.

Ich habe in den letzten Wochen viele konstruktive aber auch emotionale Gespräche mit Eltern und Erziehungsberechtigten, mit Einrichtungsleitungen, Schulleitungen in meiner Eigenschaft als Oberbürgermeister aber auch als Vater geführt. In den letzten Tagen habe ich aber auch vernommen, dass die Diskussion um Betreuungszeiten in den Kindergärten, Präsenzunterricht an den Schulen und um den Fernunterricht zu Hause deutlich an Schärfe zugenommen hat. Für die Diskussion dieser angespannten Situation habe ich Verständnis. Sie ist wichtig, denn wir alle wünschen uns endlich wieder unser „normales“ Leben zurück. Wir wollen wissen, wie es morgen, übermorgen und auch nächste Woche in allen Bereichen unseres Lebens weitergeht. Ja, wir wollen wieder Verlässlichkeit und Sicherheit in unserem Alltag verspüren.

Jeder hat unter (auch dem Eindruck vieler Emotionen) das Recht, aus der Sicht eines Kommentators die Entscheidungen der Verantwortlichen (z.B. der Einrichtungsleitungen, der Entscheidungsgremien der Träger, des Oberbürgermeisters oder anderer Politiker) zu hinterfragen. Aber ich wünsche mir, dass diese Auseinandersetzung an der ein oder anderen Stelle mit etwas mehr gegenseitigem Respekt erfolgt und vielleicht auch unter der Beachtung des folgenden Perspektivwechsels: Welche Entscheidungen würde ich denn mit einer solchen Verantwortung im Rücken in dieser Situation treffen?

Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich allen an unserer Kindergarten- und Schulgemeinschaft beteiligten Kindern, Eltern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Zusammenwirken in den letzten Monaten unter den schwierigen Bedingungen. Ich bin mir sicher: Wir haben alle versucht, aus dieser Situation gemeinsam das Beste zu machen. Das ist uns hier und da gut gelungen, an anderen Punkten weniger gut.

Lassen Sie uns nun nach vorne blicken. Die Landesregierung hat mit Vorliegen der vorläufigen Ergebnisse der Heidelberg-Studie, die den geringen Anteil von Kindern am Pandemiegeschehen bestätigt hat, entschieden, die Öffnung der Kindertageseinrichtungen ab dem 29. Juni 2020 für einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zu ermöglichen.

Oberste Priorität hat weiterhin der Schutz der Gesundheit aller Mitwirkenden an unserem Bildungs- und Betreuungswesen. Daher hat das Land den Verantwortlichen zahlreiche Handlungsanweisungen für den Betrieb der Einrichtungen mit auf den Weg gegeben. Das Gelingen des Konzeptes erfordert die Solidarität, Achtsamkeit und aktive Mitwirkung aller Beteiligten. So verhindern wir gemeinsam das Risiko eines konkreten Infektionsgeschehens mit der Folge, dass einzelne Gruppen oder Klassen, oder ganze Einrichtungen wieder geschlossen werden müssen. Wir verhindern damit auch eine sich daraus ergebende sehr belastende 14-tägige Quarantänepflicht für Kinder, deren Eltern sowie das betreuende Personal.

Die Kinder, Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Träger unserer Kinderbetreuungseinrichtungen, die Schulleitungen unserer Schulen und die dazugehörigen Gemeinschaften können sich nun auf den Weg machen, ab dem 29. Juni wieder mehr „Alltag“ zu planen. Damit das gelingt, haben wir gemeinsam erste Gespräche geführt, weitere werden folgen. Die für mich wichtigste Erkenntnis aus den Gesprächen ist: Die Kindergärten und Schulen freuen sich auf die Kinder. Die Kinder freuen sich auf die Kindergärten und Schulen. Und die Eltern freuen sich mit. Na, wenn das mal keine gute Grundlage für einen gelingenden Wiedereinstieg in mehr Normalität ist.

Unter folgendem Link finden Sie – jeweils zu Schulen und Kindergärten – weitere Hinweise zu den Regelungen, welche das Land Baden-Württemberg zur Vorgabe gemacht hat. Ebenso finden Sie dort Informationen, wie der Betrieb in den Grundschulen in Zusammenarbeit mit der Kernzeitbetreuung und dem Hort ab nächster Woche bereits dazu beitragen kann, unseren Familien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern.

Bitte beachten Sie diese Hinweise. Bei Rückfragen können Sie sich gerne an mich und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus, den Kindergärten oder Schulen wenden.

Bleiben wir weiterhin gesund und arbeiten wir weiterhin als Gemeinschaft zusammen. Stadt, Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Eltern.

Herzlichst, Ihr

Sebastian Schrempp


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