7. Erklärung des Oberbürgermeisters Sebastian Schrempp zur aktuellen Lage

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Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

Passbild Oberbürgermeister Sebastian Schrempp

unsere Feiertage sind für mich immer ein Anlass, über uns und über mein Wirken nachzudenken. Doch an diesen Osterfeiertagen erschien mir vieles unwirklich. Ich stellte mir die Frage, wie meine Osterwünsche in diesem Jahr bei meinem Gegenüber erklingen mögen? Dieses mir seit Jahren geläufige: "Schöne Osterfeiertage wünsche ich Ihnen."

Können diese Feiertage schön sein, wenn uns derzeit eine Krise beschäftigt, die wir nicht wirklich greifen können? Eine Krise, die große Auswirkungen auf unser gewohntes Leben hat und in vielen von uns Sorgen ganz unterschiedlicher Natur weckt. Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Familie, Freunde, Nachbarn. Sorgen um Menschen, die schon immer einsam waren und die wir nun aufgrund des Kontaktverzichtes vollends aus den Augen verloren haben. Sorgen um unseren Einzelhandel und die Gastronomie vor Ort und deren Mitarbeiter. Sorgen um unser Einkommen und die wirtschaftlichen Folgen für unsere Welt. Und dann die Sorge um die Zukunft. Wie geht es weiter? Wird es jemals wieder so sein, wie es war?

Ja hoffentlich, denke ich. Und denke dabei an das mir Schöne und Angenehme. An meine Zeit mit der Familie und die schönen gemeinsamen Momente in unserer Natur hier in und rund um Rheinstetten. Ich denke daran, wie mir in den letzten Wochen jeden Morgen bewusst wird, wie sehr mir die Aktivitäten unserer Vereine in unserer Stadt fehlen. Wie sehr mir der direkte Austausch mit den vielen vertrauten Menschen fehlt. Wie sehr ich die Fahrrad fahrenden Schüler morgens vor der Haustüre vermisse und wie einsam es für uns Menschen ohne erlebbare, berührbare Gemeinschaft ist.

Und eine Sekunde später denke ich an vieles aus meiner Sicht Unverhältnismäßige und Dekadente: hoffentlich wird das nicht so sein wie vorher. Ist es notwendig, dass Menschen mehrmals im Jahr für ein Wochenende auf Urlaubsinseln fliegen oder zum Einkaufen in eine europäische Stadt, nur weil der Hin- und Rückflug für 99,- Euro zu haben ist? Ist es angebracht, dass wir in manchen Sportarten den Profis für die berufliche Ausübung ihres Hobbys regelmäßig Jahresgehälter von mehreren Millionen Euros bezahlen? Müssen wir wirklich so viele (technische) überflüssige Einwegprodukte herstellen und konsumieren und dadurch über unsere Verhältnisse leben? Müssen wir uns auch in der Freizeit weiter so durchtakten, dass wir nach einem Wochenende erst einmal Erholung brauchen? Müssen wir unsere Kinder von Montag bis Sonntag so durchtakten, dass die Eltern durchweg im Organisations- und Fahrdienststress sind und den Kindern kaum mehr Zeit bleibt, Kind zu sein?

In meinen vielen Telefongesprächen und Videokonferenzen in den letzten Tagen ist mir klar geworden, jeder von uns hat einen anderen Blick auf diese Krise und jeder hofft auf seine Art und Weise, welche Schlüsse wir Menschen für die Zukunft aus dieser Krise ziehen. Aber Eines habe ich immer wieder gehört. Diese Zeit der Entschleunigung hat auch etwas Gutes. Wir denken über uns und den uns oft selbst auferlegten Leistungsdruck, gerade im Bereich unserer Freizeit, nach.

Mir ist bewusst geworden, welchen Wert eine funktionierende Gemeinschaft in den Zeiten hat, in denen Gemeinschaft nicht so einfach auf engstem Raum funktioniert.

Und mir wird bewusst, wie wir in diesen unwirklichen Wochen zusammenhalten, uns tatsächlich auch einschränken können, einander helfen und aufeinander achten.

Und so erkennen wir in diesen besonderen Zeiten der Not, auf wen wir uns verlassen können. Das gilt für den privaten Bereich, im beruflichen Alltag, aber auch für eine große Gemeinschaft, wie wir sie hier in Rheinstetten haben.

Von Beginn der "Corona-Krise" haben viele Menschen in unserer Stadt die Lage erkannt und von sich aus Hilfe angeboten. Inzwischen haben sich unzählige Helferinnen und Helfer angeboten. Diese Hilfsangebote werden dankbar angenommen, wobei die Zahl der Helfenden derzeit den Bedarf übersteigt – sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass viele ältere Menschen Unterstützung aus Familie und direkter Nachbarschaft erfahren.

Wir hier im Rathaus sind momentan mit sehr vielen - auch für uns außergewöhnlichen - Dingen intensiv beschäftigt. Deswegen bin ich unendlich dankbar und froh, dass es Menschen gibt, die achtsam durch die Stadt gehen, uns so "den Rücken frei halten" und das Motto „Wir sind Rheinstetten“ mit Leben erfüllen. VIELEN DANK dafür!

An Ostern feiern wir wie bei keinem anderen unserer christlichen Feste, dass es ein Danach gibt und es immer irgendwie weitergeht. Ja, das ist die Botschaft, es geht weiter. Es wird gut werden, wenn auch anders. Davon bin ich überzeugt.

Das Virus verbreitet sich dank unser aller Umsicht und dank unseres konstruktiven Verhaltens deutlich langsamer und wir haben ein Gesundheitssystem, um welches uns die Welt derzeit beneidet – trotz der uns bekannten strukturellen Defizite.

Dankbar bin ich den Millionen von Menschen, die auf unseren Straßen unterwegs sind und zur Arbeit gehen, um unsere Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. Sie versorgen uns weiterhin wie bereits schon seit Wochen. Wir leiden keinen Hunger oder Durst, wir haben Strom, Wasser, das Abwasser und der Müll werden entsorgt.

Die Politik diskutiert derzeit über die Lockerung von Maßnahmen und ich hoffe, dass wir in unserem Land in den nächsten Wochen gemeinsam die richtigen Entscheidungen treffen - und dabei das Wohl aller im Auge haben. Das Wohl der Menschen, die Angst um ihre Gesundheit haben (müssen) und das Wohl der Menschen, die ganze Familien zu ernähren haben und große Angst um ihre wirtschaftliche Grundlage haben.

Auch das wird uns gelingen. Gemeinsam. In und um Rheinstetten. Die Infektionsraten sinken. Machen wir weiter so und bleiben wir gesund!

Ich bin stolz, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Schreiben Sie mir, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben.

In diesem Sinne, ja: „Ich hoffe, sie haben schöne Osterfeiertage verbringen können.“

Herzlichst Ihr

 

Sebastian Schrempp

 

PS: Schauen Sie auf www.rheinstetten.tv vorbei, das Angebot wächst täglich. Kindergärten, Schulen, die Stadtbibliothek, Betriebe, Kirchen und Vereine haben uns Beiträge geschickt. Vor allem für die Kinder sind sehr schöne Sachen dabei: Basteleien, Geschichten, Experimente. Danke nochmals an alle, die hier mitmachen.


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