6. Erklärung des Oberbürgermeisters Sebastian Schrempp zur aktuellen Lage

| Corona-Erklärungen-OB


Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

am 28. Februar tauchte bei einem Kongress in der Messe der erste Corona-Fall in Rheinstetten auf. Es verging eine weitere Woche, bis die nächste Infektion in unserer Stadt bestätigt wurde. Und seit zwei Wochen beschäftigt uns das Corona-Virus nun sehr intensiv in Rheinstetten. Viele Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme, haben den Eindruck, es stehe gerade kein Stein mehr auf dem anderen. Auch mir geht es so.

Der Wunsch nach Normalität und eine sehr große Unsicherheit bestimmen unseren Alltag. Es ist nicht einfach, etwas Normalität zwischen den Sonnenstrahlen in seine Gedanken einzuflechten. Wo wir hinschauen, geht es um das Virus. Um Zahlen, Maßnahmen und Auswirkungen. Wir sehen Bilder aus Italien, wir lesen von Maßnahmen in Spanien, wir schauen auf uns. Auf unser Land, auf unsere Stadt und unsere Gemeinschaft.

Unsere Gemeinschaft hat in den letzten Tagen große Anstrengungen aufgebracht, sich mit neuen vorübergehenden Verhaltensregeln vertraut zu machen:

In Ruhe und Bedacht Abstand zu halten, auf Zeit.
Gewohnte Orte und Versammlungen nicht aufzusuchen, auf Zeit.
Sich mit geänderten Arbeitsabläufen vertraut zu machen, auf Zeit.

Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt und den Ehrenamtlichen bei der Feuerwehr für das großartige Sensibilisieren unserer Gemeinschaft in den letzten Tagen. Wir sind Rheinstetten, da ist etwas dran. Wir tragen so alle gemeinsam dazu bei, Zeit zu gewinnen.

Zeit zu gewinnen, damit sich das Virus deutlich langsamer verbreitet, wie in den letzten Tagen. Ziel ist, unser Gesundheitssystem so wenig wie möglich zu belasten. Die Belastung wird zweifelsohne groß, und so bitte ich Sie: Unterstützen wir die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch unser umsichtiges Verhalten.

Was unser Verhalten betrifft: Die Länderregierungen haben gestern Abend in Abstimmung mit der Bundesregierung Beschlüsse gefasst, die heute auch in Baden-Württemberg in Kraft getreten sind. Demnach ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet. Zu anderen Personen ist im öffentlichen Raum, wo immer möglich, ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.

Nun ist in einer Landesverordnung verankert, was wir hier in Rheinstetten uns schon seit einer Woche empfehlen und mittlerweile auch große Akzeptanz gefunden hat. Und noch besser: auch beachtet wird. Am Freitag, am Samstag und am Sonntag waren unsere bisherigen „Brennpunkte“ Epplesee und Fermasee wie leergefegt.

Daher gilt Ihnen allen heute mein großer Dank.
Danke für das Aufeinander-Acht-geben. Sei es in der Schlange am Supermarkt, sei es beim Spaziergang, sei es auf dem Weg zur Arbeit.

Danke für Ihre Bereitschaft, für all die Menschen Verantwortung zu übernehmen, die nicht aus dem Haus können oder müssen. Sei es durch Ihr Engagement beim Einkaufen für die Nachbarn, sei es durch Ihr Engagement bei der Versorgung von uns allen mit Lebensmitteln, sei es durch Ihr Engagement in der Pflege und der medizinischen Versorgung. Danke für jeden Tag, an dem Sie für uns da sind.

Das mit dem Abstand fällt mir nach 10 Tagen schon sehr schwer. Ich meine nicht den körperlichen Abstand auf dem Weg ins Rathaus oder bei der Arbeit. Mir fehlt der nahe Kontakt zu meiner Familie, meinen Eltern, meinen Freunden, den Gemeinderäten, mal geschwind hier und da vorbeizugehen und etwas direkt zu klären. Ich habe noch nie so viel telefoniert und geschrieben wie in den letzten Tagen.

Aber es ist nicht das Gleiche. Mit vielen Menschen, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, habe ich in den letzten Tage so intensiv gearbeitet wie noch nie. Wir sitzen in Räumen, entscheiden im Krisenstab täglich in stundenlangen Abstimmungsprozessen emotional belastende Dinge. Das ist schon komisch. Jetzt, wo ich den Drang habe, den ein oder anderen Menschen in den Arm zu nehmen, darf ich es nicht.

Lasst uns gemeinsam diesen Zustand schnell beenden, indem wir durch unser verantwortungsvolles Handeln weiter dazu beitragen, den täglichen Zuwachs an Erkrankten zu reduzieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern und die Angehörigen der Betroffenen danken es uns.

Bleiben wir zu Hause, wann immer es geht.
Halten wir Abstand zueinander, wann immer es geht.
Meiden wir Menschenansammlungen, wann immer es geht.

Danke, für das, was ich in den letzten Tagen in dieser Richtung in unserer Stadt alles sehen konnte.

Um das Gewohnte in unsere Zimmer zu bringen, starten wir in dieser Woche tatsächlich unser Rheinstetten.TV mit einem Unterhaltungsprogramm unter dem Motto „Wir für unsere Stadt!“. Ich freue mich über Beiträge aus Schulen, Kindergärten, Vereinen, Kirchen, aus der Stadtpolitik und von Bürgerinnen und Bürgern, die anderen gerne etwas mitteilen wollen. Mehr hierzu an dieser Stelle.

 

Bis dorthin bleiben Sie bitte gesund,

 

herzlichst

 

Ihr

Sebastian Schrempp

 

***Im Corona-Portal unserer Stadt unter www.rheinstetten.de/corona haben wir alle Informationen für Sie zusammengestellt. Wie erhalte ich finanzielle Hilfen, wer sind bei gesundheitlichen Fragen meine Ansprechpartner, welche Regeln gelten für welche Situation, wer hilft mir beim Einkaufen – schauen Sie rein.***


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