12. Erklärung des Oberbürgermeisters Sebastian Schrempp zur aktuellen Lage (Stand 03.11.2020, 12 Uhr)

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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Passbild Oberbürgermeister Sebastian Schrempp

seit letzte Woche die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer zusammenkamen stand fest: Es werden in den nächsten vier Wochen wieder harte Einschnitte in unserem Lebensalltag auf uns zukommen. Und es wurden bei mir die Erinnerungen an die Situation in März wach. Unsicherheit und Sorge um unsere Stadt und deren Bewohner, Trotz wegen der vielen verwirrenden Maßnahmen und Verordnungen aber auch Zuversicht und Mut prägen fortan wieder meine Arbeit.

Ja, ich verspüre Unsicherheit um die Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen. Kommen wir so von den hohen Infektionszahlen herunter? Ich wünsche es mir, damit wir im Dezember wieder mit gutem Gewissen mit unseren Verwandten Weihnachten feiern können. Und sind die von Land und Bund beschlossenen Maßnahmen verhältnismäßig? Wie kann ich gegenüber Betroffenen begründen, dass das Eine erlaubt aber Anderes untersagt ist?

Aber vielmehr habe ich Sorge um die Auswirkungen auf unser Zusammenwirken in unserer Stadt. Zwar wurde nur von einem Lockdown-„Light“ gesprochen, doch was bedeutet dieses „Light“ für die davon direkt Betroffenen?

Auch wenn unsere Kinder weiterhin in unsere Schulen und Kindergärten gehen können, auch wenn wir fast überall einkaufen und den ÖPNV nutzen können und die Spielplätze geöffnet sind, die Baustellen voran gehen und das Handwerk seine Leistungen erbringen kann, so trifft dieses sogenannte „Light“ viele Menschen entscheidend.

Kulturtreibende, Gastronomie, Einzelhandel im Bereich der körpernahen Dienstleistungen (z.B. Kosmetik-, Nagel- und Tattoostudios), Schwimmbäder, Fitnessstudios – all diese haben von einem Tag auf den anderen ihren Betrieb wieder einstellen müssen. Zum zweiten Mal schon in diesem Jahr. Das ist brutal für alle Inhaber und für die dort Beschäftigten. Da verbietet es sich, in der Politik von einem Lockdown-„Light“ zu sprechen. Wir müssen nun zusammenstehen und unseren örtlichen Unternehmen den Rücken stärken. Nehmen wir deren Dienstleistungen in Anspruch, wo immer es geht. Wir können den Lieferservice und die Abholmöglichkeiten in der Gastronomie nutzen und heute schon Gutscheine für Weihnachten bei den betroffenen Betrieben im Bereich der körpernahen Dienstleistungen kaufen. Hierdurch und durch die von Bund und Land zugesagten Finanzhilfen können sich unsere Betriebe hoffentlich über Wasser halten. Nur so können wir auch vor Ort weiterhin eine lebendige Gemeinschaft bleiben, in der Wirtschaft und Gesellschaft zusammen wirken. Bitte beachten Sie daher auch unsere Liste der Gastronomie mit Abhol- und Lieferservice im Anzeigenteil dieser Ausgabe.

Sportvereine, Musik- und Gesangvereine – ja alle unsere Vereine haben für die nächsten Wochen einen weitgehenden Stillstand verordnet bekommen. Keine Treffen, keine Spielenachmittage, keine Proben, kein Training. Unsere städtischen Sporthallen und Sportanlagen wurden geschlossen. Auch, weil der Großteil der bis vor kurzem noch nachverfolgbaren Infektionsketten dem privaten Bereich zuzuordnen waren. Ich bin mir sicher, die Vereine mit ihren guten Netzwerken verkraften diese Wochen der Enthaltsamkeit, auch wenn uns allen die Gemeinsamkeit fehlt. Umso mehr freue ich mich auf zukünftige Veranstaltungen, die ich hoffentlich bald schon wieder besuchen kann.

Die Infektionszahlen haben dazu geführt, dass unsere Gesundheitsämter über die Belastungsgrenzen hinaus arbeiten müssen und die Kontaktnachverfolgung nicht mehr zu jeder Zeit gewährleistet ist. Es ist Realität: Wir können in unseren Ämtern mit den Fallzahlen nicht mehr Schritt halten. Die Krankenhäuser füllen sich seit letzter Woche mit zunehmender Geschwindigkeit, mit zum Teil sehr ernsten Krankheitsverläufen. Aber auch die weniger ernsten Verläufe in unseren Kliniken können irgendwann dazu führen, dass Patienten mit anderen Erkrankungen nicht mehr optimal in der Intensivmedizin behandelt werden können.

Und genau hier setzte der Beschluss des Bundes und der Länder von letzter Woche an. Durch die Kontaktbeschränkungen vor allem im privaten Bereich soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt und die Überlastung unseres Gesundheitssektors verhindert werden. Der Blick auf andere Länder zeigt durchaus, dass wir in diesem Punkt nicht zu viel Zeit verstreichen lassen dürfen.

In den letzten Monaten habe ich viele Diskussionen über Sinn und Unsinn der Maßnahmen geführt. Im privaten wie auch im beruflichen Umfeld. Mit Befürwortern und Gegnern der Maßnahmen. Mit Menschen, denen all das nicht weit genug geht. Und mit Menschen, die sich in ihren Grundrechten eingeschnitten fühlen und alles nicht wahrhaben wollen. Ich kann beide Seiten verstehen, dennoch erfordert diese Situation von uns allen Verständnis, Einsicht und Opferbereitschaft. Und sie erfordert von uns allen auch Rücksichtnahme und Akzeptanz. Rücksichtnahme gegenüber den Betroffenen und denen, die unter uns noch zu Betroffenen werden. Und sie erfordert Akzeptanz für getroffene Entscheidungen.

„Mir gefällt das nicht, also halte ich mich nicht dran“, damit lässt sich kein gemeinsamer Staat verwalten. Auch wenn wir in dieser Krise bisher nicht alles richtig gemacht und wir einige Dinge verschlafen haben: Wir haben auch vieles richtig gemacht, so meine feste Überzeugung! Schauen wir doch in die Welt und vergleichen, mit welchen Auswirkungen die Einwohner und Regierungen andernorts zu kämpfen haben.

Wenn ich diesen Blick wage und über den Tellerrand hinaus schaue, dann bin ich zuversichtlich. Wir werden auch diesmal gut – gerade auch wegen der beschlossenen Maßnahmen – durch die nächsten Wochen kommen. Denn ich weiß, dass viele Menschen sich diese Regeln wieder zu Herzen nehmen und durch einen zeitweiligen Verzicht dazu beitragen, dass wir einander schützen und unser Gesundheitssystem zugunsten vieler Unfallverletzen und Tumorerkrankten nicht durch zu viele Corona-Patienten überlasten.

Und ich bin froh, dass wir uns in den nächsten Wochen in vielen Bereichen unseres Lebens nicht so weit wie im Frühjahr dieses Jahres einschränken müssen sondern wir eigenverantwortlich im privaten und beruflichen Umfeld unseren Teil zur Bewältigung der Situation beitragen können. Wir gemeinsam – für unsere Stadt. Wir sind Rheinstetten!

Ich gehe diesen Weg aus Überzeugung mit und reduziere meine Kontakte in den nächsten Wochen deutlich. Auch dann, wenn mir manches nicht klar erscheint. Auch dann, wenn ich nicht mit allem einverstanden bin. Denn ich bin nur ein kleiner Teil eines großen Gesamten. Ich bin Teil unserer Gemeinschaft und übernehme gerne meinen Teil der Verantwortung indem ich mich persönlich einschränke. Weil ich überzeugt bin, dass wir diese Herausforderung so gemeinsam meistern.

Ich lade Sie dazu ein, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Bleiben Sie, bleiben wir gesund.

Herzlichst

 

Sebastian Schrempp


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