Artenschutz

Artenschutz für heimische Tiere

Störche sitzen auf ihren Nest

Der Weißstorch ist das Symboltier für den Naturschutz in Rheinstetten. Mit dem Projekt zur Wiederansiedelung dieser schönen Vögel hat Mitte der 1980er Jahre die intensive Naturschutzarbeit in Rheinstetten begonnen. Heute profitieren viele Arten von den vielen Verbesserungen, die in unserer Landschaft erreicht wurden. Einige Arten bzw. Artengruppen, für die sich Rheinstetten besonders engagiert, sind im Folgenden näher erläutert.


Störche - Indikatoren für eine intakte Landschaft

Störche stehen auf ihrem Nest

Der Weißstorch war uns Menschen schon immer sehr sympathisch – nicht zuletzt ranken sich wohl um kein anderes Wildtier so viele Überlieferungen, Kinderlieder und Reime wie um den Storch. Als Kinderbringer und Glücksgarant wurde er zum gern gesehenen Gast auf den Dächern der alten Dörfer. Dennoch gingen die Bestände des Weißstorches in ganz Westeuropa seit Mitte des 19. Jahrhunderts ständig zurück, in den 1970er Jahren war der Weißstorch als wildlebendes Tier in Baden-Württemberg fast ausgestorben. Trotz aller Sympathie – der Mensch hatte den Störchen ihre Lebensgrundlage entzogen. Was war der Grund für diese Entwicklung?

Eine Storchenfamilie benötigt in der Brutsaison ca. 5 Zentner Futter. Die Störche sind dabei gar nicht wählerisch Ihr Jagdgebiet langsam abschreitend nehmen sie alles auf, was mit dem langen Schnabel gepackt und verschluckt werden kann. Regenwürmer, Heuschrecken und andere Insekten werden ebenso wie Mäuse, Frösche, Schlangen und Fische erbeutet. In den „modernen“ Agrarlandschaften finden sie davon viel zu wenig. Wo Feuchtgebiete trockengelegt, Wiesen in Äcker umgewandelt und das restliche Grünland intensiv gedüngt und gemäht wird, kann die Landschaft noch so grün sein: Für den Weißstorch und viele andere Tiere ist es eine Hungersteppe.

Erfolgreich brüten können die Störche nur dort, wo es noch feuchte Wiesen und Weiden, Teiche und Weiher gibt, wo staunasse Bereiche existieren und das Grünland nur extensiv bewirtschaftet wird. Rheinstetten hat dies Mitte der 1980er Jahre erkannt und entgegengesteuert. Heute gibt es wieder eine für die Rheinniederung typische naturnahe Kulturlandschaft mit einer Artenvielfalt, die in der Region ihresgleichen sucht. Auch der Storch als augenfälligstes Erfolgssymbol findet wieder einen reich gedeckten Tisch und kann seinen Nachwuchs ohne jede Zufütterung aufziehen. Die Rheinstettener Störche sind damit noch „echte“, ziehende Wildstörche, im Gegensatz zu manch anderen künstlich durchgefütterten Populationen.

Mit dem Nahen des Frühlings treffen die Störche in den Brutgebieten ein, wobei die Männchen meist zuerst ankommen und am Nest ungeduldig auf ein Weibchen warten. Landet eine Störchin in der Nähe, so wird sie mit ausdauerndem Schnabelklappern begrüßt, das Weibchen antwortet auf die gleiche Weise. Klappern gehört bei den Störchen eben zum Geschäft, leitet die Paarung ein und festigt die Bindung. Aber auch gegenüber Eindringlingen wird geklappert, bringen die Störche doch außer einem Zischen keine anderen Laute zustande. Der treue Eindruck, den das Storchenpaar auf dem Nest vermittelt, trügt allerdings: die Partner bleiben jeweils nur für einen Sommer zusammen. Aufgrund der engen Bindung an den Brutplatz kommt es aber häufig im nächsten Jahr wieder zum Zusammentreffen der „alten“ Partner.

Bald nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Ablage der bei uns meist drei bis vier weißen, etwa 110 Gramm schweren Eier. Gebrütet wird abwechselnd, bis nach ca. 33 Tagen gegen Mitte Mai die Jungen schlüpfen. Nun beginnt die harte Elternzeit. Unermüdlich ist einer der Altvögel zur Futtersuche unterwegs, während der andere das Nest bewacht und die Jungen vor Regen, Kälte und Hitze schützt. Ganz wichtig sind dann gute Nahrungsgebiete in Nestnähe. Vor allem in den ersten Lebenstagen der Jungen suchen die Störche die Nahrung bevorzugt im Umkreis von wenigen Hundert Metern um den Horst. Zunächst werden vor allem Regenwürmer verfüttert, bald jedoch verlangen die rasch wachsenden Jungen größere Happen. Nach sieben Wochen sind die Jungstörche fast schon so groß wie ihre Eltern, besonders die noch schwärzlichen Schnäbel und Beine unterscheiden sie dann noch von den Eltern. Neun Wochen nach dem Schlüpfen sind die Jungen flügge und gehen zusammen mit den Eltern auf Nahrungssuche, werden aber auch noch zugefüttert. Im Alter von drei Monaten, gegen Mitte August, können sie sich dann endgültig alleine versorgen.

Statistik des Storchennachwuchses in Rheinstetten


Mauersegler - rasante Kunstflieger über unseren Städten

Die Mauersegler haben sich in Städten und Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo sie unter den Dächern mancher Altbauten, aber auch in anderen Gebäudenischen geeignete Wohnstuben finden können. An modernen Gebäuden haben sie jedoch in der Regel keine Chance. Die Folge ist, dass der rasante Flieger bereits auf die Vorwarnliste der „Roten Liste“ gefährdeter Brutvögel gesetzt werden musste. Mauersegler werden manchmal mit Schwalben verwechselt. Mit einer Flügelspannweite von über 40 Zentimetern sind Mauersegler aber erheblich größer. Sie haben lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Bis auf die grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich bis rußschwarz.

Mauersegler gehen ausschließlich in der Luft auf Jagd nach Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Dabei wird der Schnabel erst beim Zugreifen geöffnet. Sie jagen nicht selten in großer Höhe, im Extrem bis zu 3.000 Meter über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund. Sie sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern und in der Regel Ende April zu uns zurückkehren. Ihre Brutzeit erstreckt sich bis Ende Juli. Es gibt nur eine Jahresbrut, aber nach Gelegeverlust oft eine Ersatzbrut.

Durch das Anbringen von Nistkästen konnte an der Pestalozzi-Grundschule in Mörsch in den vergangenen Jahren bereits eine größere Kolonie aufgebaut werden. Weitere Kästen wurden zwischenzeitlich an der Johann-Rupprecht-Schule in Forchheim angebracht und auch das neue Feuerwehrhaus ist inzwischen mit Mauerseglerkästen bestückt. Da Mauersegler Koloniebrüter sind, kann es eine gewisse Zeit dauern, bis ein neuer Brutplatz angenommen wird. Bis ein neues Gebäude angenommen wird, ist deshalb ein wenig Geduld erforderlich.


Im Rüttelflug auf Mäusejagd

Turmfalken gehörten zu den bekanntesten Vogelarten, ihr charakteristischer Rüttelflug, mit dem sie auf der Stelle in der Luft stehend nach Beute Ausschau halten, macht sie unverwechselbar. Sie sind zwar noch vergleichsweise häufig anzutreffen, dennoch bereiten ihnen unsere modernen Bauweisen zunehmend Probleme bei der Wohnungssuche. Die Stadt Rheinstetten hat deshalb seit Jahren etliche Nistkästen an Gebäuden angebracht und betreut diese in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund.

Einer der beliebtesten Kästen befindet sich am Betriebsgebäude des Stadtbetriebs in der Rheinaustraße in Mörsch. Dort hat die Stadt 2007 anlässlich der Kür des Turmfalken zum Vogel des Jahres erstmals eine Kamera installiert, damit alle Naturliebhaber während der Brutzeit das Familienleben dieser interessanten Vögel rund um die Uhr live erleben können.

Im Laufe des Aprils legt ein Turmfalkenweibchen im Regelfall vier bis sechs Eier und brütet 29 Tage lang. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie gut vier Wochen lang gefüttert. Anschließend verlassen sie das Nest, werden aber noch weitere vier Wochen von den Eltern begleitet und gefüttert. Danach suchen sie sich ein eigenes Revier. Charakteristisch für die Turmfalken ist der Rüttelflug, dabei stehen sie in der Luft und schlagen die Flügel schnell und ruckartig auf und ab. Mit dieser Technik werden aus einer Höhe von 10 bis 20 Metern vorrangig Mäuse gejagt. In mäusearmen Zeiten erbeuten Turmfalken auch einmal kleinere Vögel. Darüber hinaus stehen Eidechsen und Insekten und gelegentlich Regenwürmer auf der Speisekarte.

Dank der Biotopvernetzungsmaßnahmen bietet die Rheinstettener Landschaft noch ein reiches Nahrungsangebot. Zusammen mit der städtischen „Wohnungsbauhilfe“ ist deshalb sichergestellt, dass der Vogel des Jahres regelmäßig auf der Jagd gesichtet werden kann. Insgesamt ergibt sich für Rheinstetten ein beachtlicher Gesamtbestand von im Schnitt 10 bis 15 Paaren.

Einblicke in unseren Turmfalken-/Schleiereulenkasten


Auf leisen Schwingen durch die Nacht

Schleiereule sitzt auf einem Baum

Ausgesprochen schön und nur für Mäuse gefährlich - Schleiereulen gehören zu den eindrücklichsten Gestalten unserer Vogelwelt. Als Kulturfolger brüten sie ausschließlich in Gebäuden, wodurch sie in eine fatale Abhängigkeit vom Menschen geraten sind. Gab es früher in Form landwirtschaftlicher Schuppen und offener Dachböden eine Vielzahl von Brutplätzen, führten Abriss und Sanierungen allmählich zu einer eklatanten Wohnungsnot.

Seit über 20 Jahren werden deshalb in Zusammenarbeit von Naturschutzbund und Stadtverwaltung Rheinstetten Nistkästen an landwirtschaftlichen Gebäuden und in Kirchtürmen angebracht. Deshalb gibt es auch genaue Statistiken über die Bestandsentwicklung. Aktuell werden über die Siedlungsbereiche verteilt 18 Nistkästen betreut.

Schleiereulen haben bei Schnee große Probleme Nahrung zu finden, bleiben ihrem Revier aber dennoch treu. Langanhaltende Schneelagen führen deshalb immer zu starken Bestandseinbrüchen. In solchen Situationen bringt der Stadtbetriebs an verschiedenen Stellen in der Landschaft Strohschüttungen aus. Dadurch werden Mäuse auf den Schnee gelockt, die dann leichter gejagt werden können. Daneben angebrachte Ansitzstangen erleichtern die Jagd zusätzlich.

Trotz aller Maßnahmen wird der Bestand der Schleiereulen stark von klimatischen Einflüssen bestimmt. Milde Winter begünstigen die Erhöhung der Brutpaarzahl. Dies funktioniert aber nur, wenn auch eine naturnahe Landschaft mit reichem Nahrungsangebot sowie ausreichend Nistplätze zur Verfügung stehen. Der langjährige Einsatz der Stadt im Rahmen der Biotopvernetzung und der Brutplatzbetreuung zeigt, welche Erfolge auch auf einer relativ kleinen Gemarkungsfläche möglich sind.

Ein großer Dank der Stadtverwaltung gilt dabei auch allen Bürgern und Institutionen, die Ihre Gebäude zur Anbringung von Nistkästen bereit gestellt haben.

Einblicke in unseren Turmfalken-/Schleiereulenkasten


Hilfe für Frösche und Kröten auf Hochzeitsreise

Zwei Frösche im Wasser

Sobald ab Mitte Februar die ersten feucht-milden Nächte anstehen, beenden Kröten, Frösche und Molche ihre Winterruhe. Sie verlassen ihre Winterverstecke und begeben sich in den nächsten Wochen auf Wanderschaft zu ihren Laichgewässern. Je nach Art kann diese Reise über eine Distanz von mehreren Kilometern gehen. Die Vorhut bilden dabei Erdkröten und Springfrösche, sie sind sogenannte Frühlaicher, die ihre Hochzeitsreise besonders schnell antreten. Die Wanderung führt die Tiere zu ihrem angestammten Fortpflanzungsgewässer, dort paaren sie sich und laichen ab. Kurze Zeit später machen sich die Tiere dann schon wieder auf den Rückweg in ihren Sommerlebensraum. Nur wenige Arten wie die Grünfrösche verbleiben das ganze Jahr über in und am Gewässer.

Zur Gefahr wird die Hochzeitsreise, wenn dabei Straßen überquert werden müssen – in unserer eng besiedelten Landschaft ist dies leider häufig der Fall. An die Begegnung mit dem Straßenverkehr sind Frösche und Kröten nicht angepasst, die Folgen sind oft tödlich. Ohne Hilfe können die Wanderungen in einem regelrechten Massaker enden. Intakte Lebensräume nützen deshalb für die Arterhaltung nichts, wenn sie durch Straßen zerschnitten sind.

Optimal sind feste Schutzeinrichtungen aus Beton, mit denen die Tiere von der Straße ferngehalten und zu Tunneln geleitet werden. Dann können sie die Straße sicher unterqueren. Diese Einrichtungen sind aber teuer und bei vielen Straßen noch nicht vorhanden. In dem Fall ist mobile Hilfe angesagt – in Rheinstetten übernimmt das der Stadtbetrieb.

Mit undurchsichtigen Bahnen aus speziellem Kunststoff baut der Stadtbetrieb entlang der kritischen Straßen eine Barriere auf. In regelmäßigen Abständen werden daran spezielle Sammelkisten eingegraben. Beim nächtlichen Versuch die Straße zu überqueren fallen die Tiere in diese Kisten. Am nächsten Morgen werden sie aus den Kisten entnommen, gezählt und die Arten bestimmt und über die Straße gebracht. Dort können sie gefahrlos ihren Weg fortsetzen. Insgesamt werden in Rheinstetten rund 700 Meter Schutzzaun aufgebaut.

Das bedeutendste Laichgewässer in Rheinstetten mit einer großen Artenvielfalt sind die in Neuburgweier am Ortsausgang Richtung Au am Rhein liegenden „Lettenlöcher“. Um aus dem Wald dieses Naturschutzgebiet zu erreichen, müssen die Tiere eine unmittelbar am Ufer entlangführende Straße überqueren. Seit über 20 Jahren wurde deshalb hier vom Stadtbetrieb ein Schutzzaun erstellt und von ehrenamtlichen Helfern des BUND-Ortsverbandes betreut. 2010 konnte eine stationäre Leiteinrichtung mit Untertunnelung in Betrieb genommen werden. Besonders bemerkenswert sind dabei Raritäten wie der landesweit vom Aussterben bedrohte Moorfrosch und der stark gefährdete Kammmolch.

Eine weitere Sammelaktion findet an der Landesstraße 566 im Hardtwald zwischen Mörsch und Ettlingen statt. Dort wandern die Amphibien aus Richtung Süden über die Straße, um ihre Laichgewässer im Naturschutzgebiet „Dreispitz“ zu erreichen. Auch hier werden seit Jahren vom Stadtbetrieb Schutzzäune aufgebaut und auch selbst betreut. Leider sind dort seit dem Jahrhundertsommer 2003 die Amphibienzahlen wegen des extrem gesunkenen Grundwasserstandes stark rückläufig.

Da selbstverständlich auch die Rückwanderung der Tiere betreut wird, sind die Schutzzäune bis gegen Ende April / Anfang Mai im Einsatz. Entsprechend müssen auch die Helfer jeden Tag die Sammelkisten kontrollieren. Trotz allem Einsatz, die mobilen Zäune sind nur ein Notbehelf. Die Wanderung der neu entwickelten Jungtiere im Sommer aus den Gewässern kann damit praktisch nicht abgesichert werden. Auch die ganzjährigen Bewegungen der Amphibien in ihrem Sommerlebensraum sind so nicht zu sichern. Auf Dauer sind deshalb Untertunnelungen die beste Lösung. Damit wird zugleich vielen anderen Tierarten geholfen, die ansonsten auch häufig zu Verkehrsopfern werden. Aus diesem Grund wurde an den Lettenlöchern in Neuburgweier im Rahmen des EU-LFE-Projektes „Lebendige Rheinauen“ auch eine feste Amphibienschutzanlage realisiert.