25.01.2012
„Es darf nicht sein, dass Menschen die arbeiten wollen, nicht abgerufen werden“, sagt Jutta Stallbommer, beim Amt für Grundsatz und Sozialplanung des Landratsamtes Karlsruhe für Sozialplanung für behinderte Menschen zuständig. Sie stellte am 19. Januar im Stadthaus in Rheinstetten das Projekt „Sozialraumorientierung für Menschen mit Behinderung“ in der Modellkommune Rheinstetten vor, dessen Ziel es aktuell ist, konkret fünf geeignete Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Partner dabei sind die Stadt Rheinstetten, die Hagsfelder Werkstätten (HWK), der Integrationsfachdienst Karlsruhe (ifd) und der Gewerbeverein Rheinstetten. „Wir wollen mit dem Projekt Hemmschwellen in Bezug auf die Beschäftigung von Behinderten durch Offenheit, Gespräche und Toleranz überwinden“, sagte Oberbürgermeister Sebastian Schrempp, der die Unterstützung der Stadt zusicherte.
Im Landkreis Karlsruhe sind derzeit 2 200 behinderte Menschen in Betreuung. Seit 2005 sei es gelungen, den Anteil der behinderten Menschen in Einrichtungen von 28 auf 22 Prozent abzusenken. 50 Behinderte sind betrieblich integriert worden, viele weitere arbeiten in betreuten Projekten oder Einrichtungen der HWK, wie etwa den Cap-Märkten. Entscheidend für Behinderte sei „die individuelle Unabhängigkeit, Barrierefreiheit auch im Kopf und Teilhabe an der Gesellschaft“, sagt Kappes. „Und vor allem Arbeit“, ergänzt Stallbommer. Derzeit sind 26 Erwachsene aus Rheinstetten in Werkstätten der HWK, 15 Schülerinnen und Schüler an der Gartenschule Ettlingen für geistig Behinderte und sechs an der Ludwig-Guttmann-Schule Langensteinbach, die auf das Arbeitsleben vorbereitet werden.
Als Tätigkeiten, so Silvia Graudejus, Leiterin Betriebliche Integration bei der HWK, kommen vor allem Helferaufgaben in Frage, etwa in Hauswirtschaft, Gastronomie, Pflege, aber auch im Handwerk, bei der Montage oder im Lager. Mit 26 Behinderten sei gesprochen worden, fünf davon kämen für ein Praktikum in Rheinstetten in Frage. „Uns geht es um Inklusion, also die Strukturen an die Behinderten anpassen, nicht wie bei der Integration den Behinderten an die Struktur“, machte Bruno Braun vom Integrationsfachdienst deutlich. Der ganze Prozess werde von den beteiligten Institutionen intensiv betreut, insbesondere auch die Arbeitgeber unterstützt. Zahlreiche finanzielle Hilfen gibt es zudem, etwa von der Agentur für Arbeit, so Braun.
Es werde nun bei Arbeitgebern in Rheinstetten geworben. Wichtiger Partner dabei ist der Gewerbeverein Rheinstetten. Vorsitzender Frank Koch betonte, „wir stehen hinter dem Projekt“. Die 143 Mitglieder seien informiert und es sei die Besichtigung einer HWK-Werkstätte geplant, um sich einen Eindruck zu verschaffen. „Ich werde Mitglieder auch direkt ansprechen“, versicherte Koch. Festgelegt wurde in der Runde, einen Informations-Abend für den Gewerbeverein abzuhalten. Ihm sei bekannt, so Koch, dass es allein in Rheinstetten rund 40 behinderte Menschen gebe, die für ein solches Projekt in Frage kommen könnten. (m.f.G.d.BNN)
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