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Biotopvernetzung - Vorteile für Mensch und Natur

Die Stadt Rheinstetten besitzt Anteile an den beiden naturräumlichen Einheiten „Nördliche Oberrhein-Niederung“ und „Hardtebenen“. Die Trennlinie zwischen beiden Räumen stellt die Hochgestadekante dar. Naturgemäß besitzt die Niederung, auf Grund ihres geringen Grundwasserflurabstandes und ihrer Nähe zum Rhein, vor allem Biotoptypen, die durch Feuchtigkeit geprägt sind. Im Gegensatz dazu bieten die grundwasserfernen, sandig-kiesigen Hardtebenen Lebensräume für oft konkurrenzschwache Arten, die sich nur auf trockenwarmen Standorten behaupten können.

 

Beide Naturräume verdanken ihre Existenz dem Rhein. Zunächst hat er die ganze Rheinebene mit Kiesen und Sanden gefüllt, um sich nach der letzten Eiszeit mit einem sich immer wieder verändernden Flussbett in diese Ablagerungen einzugraben. So wurde die heutige Rheinniederung geschaffen, deren zahlreiche Schluten (ehemalige Altarme) Zeugnis einer bewegten Vergangenheit geben.

 
Wie fast überall wurden auch in Rheinstetten über Jahrzehnte hinweg Feuchtgebiete trocken gelegt, Streuobstbäume nicht mehr gepflegt und Wiesen in Äcker umgebrochen. Für viele Tier- und Pflanzenarten verschlechterten sich dadurch die Lebensbedingungen, manche Arten verschwanden völlig. Auch Weißstörche konnten in dieser Landschaft nicht mehr leben. Sie können erfolgreich nur dort brüten, wo es noch feuchte Wiesen und Weiden gibt, wo man Teiche und Weiher findet und das Grünland nur extensiv bewirtschaftet wird.

 

In Rheinstetten hat man Mitte der 1980er Jahre erkannt, dass im Zuge der „modernen“ Entwicklung die naturnahe Landschaft der Rheinniederung verloren gegangen war. Der Weißstorch als Leittier und in seinem Gefolge etliche weitere Arten sollten wieder einen Lebensraum bekommen. 1985 wurde der Förderkreis Weißstorch gegründet, 1987 startete die Biotopvernetzung in der Rheinniederung. Seit 1992 wurden auch auf der Hardt im Rahmen einer weiteren Biotopverbundkonzeption Lebensraumverbesserungen für die Tier- und Pflanzenwelt vorgenommen. Seitdem hat sich viel getan.

 

Ausgangspunkt aller Maßnahmen war der Bereich um das Wasserwerk Neuburgweier. Der Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen durch chemische Spritzmittel war neben dem Naturschutz ein weiteres wichtiges Argument, hier mit der Umwandlung von Äckern in Wiesen zu beginnen.

 
Seit damals hat sich viel getan. Über 40 neue Kleingewässer wurden durch die Stadt angelegt und bieten Lebensraum für Amphibien, Libellen und andere Tiere. Mehr als 3000 Streuobstbäume und über zweieinhalb Kilometer Feldhecken wurden neu gepflanzt und gliedern die Landschaft. Aus einst intensiv  genutzten Ackerflächen wurde wieder ein ausgedehnter Komplex wertvoller Lebensräume geschaffen.

 

Folgerichtig ist heute fast die gesamte Rheinniederung als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet geschützt. Ohne die Unterstützung durch die Rheinstettener Landwirte wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen, haben Sie doch auf vielen Hektar Fläche die frühere Ackernutzung zugunsten artenreicher Wiesen aufgegeben.

 
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